Wo ist bloß der Kerkeling?

Bei solchen Fragen sollen bald Computer helfen, denn für viele Büchereiteams im Bistum steht eine Neuerung an: Sie sollen ihre Karteikarten aufgeben und die Ausleihe auf ein digitales System umstellen. Das Bistum will sie dabei mit Wissen unterstützen, den PC müssen sie aber selbst anschaffen.

Lust auf was Neues? Das haben Bücherfreunde immer. Doch manchmal möchte jemand etwas Bestimmtes lesen. Da können einige der Katholischen Öffentlichen Büchereien (KÖB) sofort Auskunft geben, denn sie sind mit einem computergestützten Suchsystem ausgestattet. Einfach den Namen des Autors eintippen und schon sieht man, welche Bücher von ihm vorhanden sind.

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Wie das geht, führt Andrea Conen-Benke in der Katholischen Öffentlichen Bücherei in Ostercappeln vor. Unter dem Stichwort „Ake Edwardson“ meldet der Computer, dass zwei Krimis des gesuchten schwedischen Autors im Bestand vorhanden sind, „Tanz mit dem Engel“ und „Das vertauschte Gesicht“. Und richtig: Sie stehen im Regal für „Schöne Literatur“. Andrea Conen-Benke kann auch nachprüfen, wie lange ein Buch noch verliehen ist, und kann es für den nächsten Interessenten vormerken. „Das System ist sehr benutzerfreundlich“, sagt sie.

Lust auf etwas Bewährtes? Hape Kerkelings Bestseller „Ich bin dann mal weg“ zum Beispiel? Wer es endlich lesen will oder das Hörbuch ausleihen möchte, kann in seiner Pfarrbücherei danach fragen. Wenn diese noch mit dem Karteikartensystem arbeitet, läuft die Suche anders. Die Bücher sind in einem Katalog verzeichnet, jedes Buch hat eine Karteikarte, auf der die Nummer des Nutzers notiert wird. Wer hat das Buch gerade, wann kommt es zurück? Dies per Kartensystem herauszufinden, dauert länger als mit dem Computer. Die Büchereikraft muss in verschiedenen Kästen nachschauen, der Leser braucht Geduld.

Erfahrene Büchereikräfte fänden mit dem Karteikartensystem aber ziemlich schnell heraus, ob ein Buch da ist, sagt Christa Weirauch, Mitglied des Büchereiteams in der Dreifaltigkeitsgemeinde in Hunteburg. Vorausgesetzt, dass beim Einsortieren nichts falsch gelaufen sei. In solch einer kleinen Bücherei wie in Hunteburg komme man auch noch gut ohne Computer aus.

Dennoch hat das Büchereiteam der Dreifaltigkeitsgemeinde schon mit dem Gedanken gespielt, auf EDV umzustellen. Mit dem Computerprogramm umzugehen, trauten sie sich alle zu, sagt Petra Meyer, und es gäbe auch genügend Leute, um den Bestand zu erfassen. Größtes Problem sei die Anschaffung des Computers. Dafür sei im Etat der Bücherei kein Geld vorhanden.

Auch Drucker und Scanner erforderlich

Mit dem Computer allein ist es auch noch nicht getan. Mechthild Roling, Leiterin der Fachstelle für Katholische Öffentliche Büchereien sagt es deutlich: „Sie brauchen auch einen Drucker, einen Scanner und einen Quittungsdrucker.“ Sie empfiehlt, beim Kirchenvorstand einen Antrag auf die Investitionskosten zu stellen. Manchmal sei es auch möglich, einen Sponsor zu finden, meint Waltraud Nobbe, die als Regionalleiterin der Fachstelle für das Osnabrücker Land zuständig ist.

In der Lambertusgemeinde Ostercappeln hatte der Kirchenvorstand die Kosten für den Computer übernommen, als im Jahr 2006 das Bibliothekssystem angeschafft wurde, berichtet Andrea Conen-Benke. Allerdings sei kein Geld für einen Wartungsvertrag da gewesen, so dass bei Fragen zur Anwendung kein Service der Firma in Anspruch genommen werden kann. „Dann stehen Sie ganz dumm da“, sagt Andrea Conen-Benke. Glücklicherweise sei ihr Nachbar Computerexperte und habe schon oft geholfen.

Inzwischen hat das Bistum eine Lizenz für das BVS-System der Firma IBTC erworben, sagt Waltraud Nobbe. Katholische Öffentliche Büchereien, die das Programm anschaffen, könnten künftig über die diözesanen Fachstellen Hilfe erhalten. Auch bei der Erfassung des Buchbestandes zur Einspeisung in den Computer könnten Büchereien sich Hilfe holen, sagt Mechthild Roling: Im Emsland hätten einige Büchereien dafür zeitweise eine Ein-Euro-Kraft beschäftigt.

Von den 150 katholischen Büchereien sind schon 30 auf EDV umgestellt. Wichtig sei, dass die älteren, langjährigen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen dadurch nicht das Gefühl bekämen, sie würden abgehängt, sagt Waltraud Nobbe. Wichtig sei es aber auch, mit der Zeit zu gehen, sagt Nobbe: „Wenn da kein PC steht, denken die Leute, die sind von gestern, und das denken sie dann auch über den Buchbestand.“ Der aber ist oft ganz aktuell, denn die Büchereien kaufen jährlich neue Bücher ein, vor allem Kinder- und Jugendbücher und spannende Schmöker.

Die Fachstelle Katholische Öffentliche Büchereien (KÖB) des Bistums Osnabrück hat Vorführungen vorbereitet, bei denen der Einsatz des neuen Bibliotheksystems BVS gezeigt wird.

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