Tankstelle für die schöne Freizeit - KÖB Koblenz-Moselweiß

Büchereien im Bistum gehen mit der Zeit – Aktuelle Medien begeistern vor allem die Jugend – EDV erleichtert die Verwaltung

Von Christine Vary

„Pieps“ macht es, wie an der Kasse im Supermarkt. Aber, was Gaby Luy zum Registrieren an den Scanner hält, sind keine Lebensmittel. Hier gibt es Nahrung für Geist und Seele, Stärkungsmittel für die Phantasie, Nachschub für eine der schönsten Freizeitbeschäftigungen: neuen Lesestoff. In der Katholischen Öffentlichen Bücherei von St. Laurentius in Koblenz-Moselweiß floriert das Geschäft.

„Momentan sind über 500 Medien außer Haus“, erzählt Gaby Luy vom ehrenamtlichen Leitungsteam. In den Herbstferien ist die Nachfrage besonders groß. Die Kundschaft in einer der ältesten öffentlichen Büchereien im Bistum ist jung. Kindergartenkinder, Schülerinnen und Schüler, Jugendliche und junge Erwachsene machen das Gros der Stammgäste aus.

Heute wird es wieder besonders turbulent werden in der Bücherei vis à vis der Pfarrkirche, denn es ist Vorlesenachmittag. Die Kinder stürmen ihre Ecke. Dann wird es mucksmäuschenstill. Gebannt lauschen die Mädchen und Jungen ihrer Vorleserin. Barbara Reiff entführt sie in die Welt der Bilderbücher. Diese Mal verfolgen sie neue Abenteuer des Bären Dr. Brumm.

Kinder lieben besonders das Vorlesen

„Kinder lieben es, vorgelesen zu bekommen. Es ist etwas Besonderes“, weiß die für den Kreis der Vorleserinnen federführende Barbara Reiff. Selbst eine „begeisterte Schmökerin“ nutzt sie die Bücherei von St. Laurentius zusammen mit ihrer Tochter schon seit Jahren. Seit einem Jahr ist die gelernte Industriekauffrau hier ehrenamtlich für die Kinder des Stadtteils aktiv. Mittwochs von 15 bis 16 Uhr ist die Zeit der kleinsten Büchereinutzer. Ihre Stunde ist sehr lebendig. Sie dürfen mittun, fragen, erzählen, in den Bilderbücherkisten stöbern, spielen, singen. Nach etwa einer Viertelstunde Vorlesen wird gebastelt. „Die Eltern holen immer fröhliche Kinder ab“, sagt Barbara Reiff.

Die Bücherei ist Treffpunkt – nicht nur für die Kinder. Sie ist ein Ort der Kommunikation. Da hält man gerne mal ein Schwätzchen, tauscht die neuesten Nachrichten aus, erfährt voneinander. Die soziale Funktion der Einrichtung ist nicht zu unterschätzen. „Einen Leistungsträger für unsere Kultur“ nannte der Koblenzer Oberbürgermeister Dr. Eberhard Schulte-Wissermann die Bücherei von St. Laurentius, als er 2005 zum 150-jährigen Bestehen gratulierte. Neben dem Bistum und der Pfarrei gehört auch die Stadt zu den Förderern der Einrichtung, schließlich ist die katholische Bücherei gleichzeitig auch die öffentliche Bücherei des Stadtteils. Durch sie kann hier auf den Bücherbus verzichtet werden.

„Wir haben zwar eine lange Tradition, sind aber alles andere als verstaubt“, unterstreicht Gaby Luy selbstbewusst. Die Bücherei geht mit der Zeit. Im Bestand auf einem stets sehr aktuellen Level und in der Verwaltung mit allen Erleichterungen der neuen Technik ausgestattet. „Kollege“ Computer ist seit 2001 ein unverzichtbarer Mitarbeiter. Hilfreich und pflegeleicht, wie alle berichten, die mit ihm arbeiten.

„Kollege“ Computer ist kein Problem

„Auch ältere Damen, die zuvor noch nie Berührung mit einem Computer hatten, kommen mit dem Programm zurecht“, erzählt Brigitte Weber vom Leitungsteam. Eigentlich brauche man nur vier Tasten zu kennen: F 4 für „Leser wählen“, F 5 für „neu eintragen“, F 6 für „austragen“, F 7 für „vormerken“. Zur Not hilft ein Spickzettel oder eine der ehrenamtlichen Kolleginnen, denn die Büchereimitarbeiterinnen sind immer zu zweit im Dienst.

Die Vorteile der neuen Technik sind enorm. „Wir haben jetzt mehr Zeit für andere Tätigkeiten und Aktionen“, schwärmt Gaby Luy. Sie hat sich besonders tief in die Materie eingearbeitet und ist inzwischen Referentin der Büchereifachstelle Trier für das Bibliothekssystem BVS. In dieser Eigenschaft „wandert“ sie als Multiplikatorin durchs Bistum, berät, schult und begleitet andere Büchereien bei der Einführung der elektronischen Datenverarbeitung.

In Moselweiß dauerte die Einführung etwa ein halbes Jahr. Während dieser Übergangsphase wurden alle Medien elektronisch erfasst, die elektronischen Leserausweise im Scheckkartenformat mit Barcode ausgestellt, die Mitarbeiterinnen durch das Bistum und den Softwarehersteller geschult. Heute möchten die Mitarbeiterinnen die Datenverarbeitung nicht mehr missen. Selbst für jene, die der Sache zunächst skeptisch und zurückhaltend gegenüberstanden, hat sich der Umgang mit dem Computer nicht als Schreckgespenst, sondern als ein Kinderspiel entpuppt.

Jetzt gibt es keine überflüssigen Diskussionen mehr, ob ein Buch bereits zurückgebracht wurde, keine Missverständnisse, Datumsirrtümer. Ungleichbehandlungen sind ausgeschlossen. Automatisch spuckt der Computer im Tageslauf die Verfallsfristen aus, liefert die Mahnungen gleich mit, bucht Verlängerungen. Er unterstützt die Mitarbeiterinnen bei Inventur, Bestandspflege, Medienerwerb und Katalogisierung. Die Anbindung an das Internet wird vor allem von den jungen Nutzern begrüßt. Sie verlängern ihre Ausleihen heute per E-Mail. Das spart das Telefonieren oder den Gang zur Bücherei. Auch wenn man sich im Bestand der Bücherei umschauen möchte, braucht man sich dank Internet heute nicht mehr vor Ort zu begeben. Alle rund 5000 Medien von St. Laurentius sind im Netz abrufbar. Klar, dass die katholische Bücherei von Moselweiß auch eine eigene Homepage (www.koeb-st-laurentius.homepage.t-online.de) hat. „Das ist heute ein Muss“, sagt Gaby Luy, die zuständig ist für die Internetseite. Sie betont: „Die EDV sollte als sinnvolle Ergänzung, als moderner Ausbau der bisherigen Büchereiarbeit gesehen werden. Es ist unerlässlich, sich als Bücherei damit auseinanderzusetzen und sie zu beherrschen“.

Mitarbeiterinnen selbst eifrige Leserinnen

Nicht ersetzen aber kann der Computer die persönliche Beratung. Die Büchereimitarbeiterinnen kennen sich, zumal allesamt eifrige Leserinnen, bestens aus. Sie geben Empfehlungen, auf die sich die Eltern verlassen können. Brigitte Weber hat da so ihre Tricks, wenn ein begehrtes Buch zum Beispiel noch nicht dem Alter des kleinen Lesers entspricht. „Guck mal: so dick ist das, und ganz kleine Schrift und überhaupt keine Bilder“, lenkt sie das Interesse etwa von Harry Potter geschickt auf die kindgerechtere Hexe Lilly und deren tolle Zauberkunststücke.

„Wir orientieren uns an den Interessen unserer Leser“, berichten die Damen vom Leitungsteam. Zurzeit ist leichtere Literatur für junge Frauen gefragt. Da lächelt dann auch Susanne Fröhlich aus den Regalen. Nach Genre aufgeteilt ist die Auswahl groß im umfangreichen Gesamtangebot von Romanen, Krimis, Erzählungen, Biografien, Sachbüchern, Kinder- und Jugendbüchern. Spiele, Filme auf DVD und VHS-Video, Musikkassetten und CDs, Hörbücher, englischsprachige Literatur und Lernhilfen komplettieren die Angebotspalette.

Der Buchherbst wartet mit zahlreichen Neuerwerbungen auf. Monika Holzer präsentiert die soeben frisch eingetroffenen Bilderbücher. „Schöne Sachen“, ist sie selbst ganz vernarrt in die Neuerwerbungen. Monika Holzer arbeitet seit 18 Jahren ehrenamtlich in der Bücherei mit. „Ich kann keinen Tag ohne Buch sein“, sagt die berufstätige Frau. Sie wurde ebenso wie Ursula Rosenthal durch Christine Kersting, der langjährigen Hauptverantwortlichen für die Bücherei und nach wie vor Mitglied im Leitungsteam, für diese Tätigkeit nach Dienstschluss gewonnen.

Kinder zum Lesen bringen ist Hauptziel

Neben dem „Alltagsgeschäft“ gab es in der Bücherei in diesem Jahr etliche besondere Aktionen: Bibliotheksführerscheine für Kindergartenkinder, drei Veranstaltungen für Kinder mit dem afrikanischen Autor Ibo, Vorlesenachmittag zum 100. Geburtstag von Astrid Lindgren, Vorlesetag der Stifung Lesen, Lesung Theodor Storm mit dem Burgschauspieler Hermann Bruck.

Kinder an das Lesen heranführen, ihnen gute Bücher an die Hand geben und eine bereichernde Freizeitbeschäftigung zu ermöglichen, ist das Hauptanliegen der Verantwortlichen der Bücherei von St. Laurentius. Sie steht stellvertretend für die 220 Katholischen öffentlichen Büchereien im Bistum mit ihren rund 1250 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, die im vergangenen Jahr an über 54 000 Leser 705 000 Medien ausliehen.

Die Büchereien arbeiten mit dem Borromäusverein zusammen. Am Borromäussonntag, dem Sonntag nach dem Fest des heiligen Karl Borromäus (4. November), wird auf die Tätigkeit der Katholischen Öffentlichen Büchereien und des Borromäusvereins besonders aufmerksam gemacht.

In Moselweiß wird vom 16. bis 19. November wieder die traditionelle Weihnachtsausstellung stattfinden, mit der die Bücherei Empfehlungen und Geschenktipps gibt. Jedermann kann sich hier über neue Bücher, Spiele, CDs und sonstige Medien informieren sowie bei Kaffee und Kuchen die Arbeit der Ehrenamtlichen unterstützen.

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Die Vorlesenachmittage sind bei den Kindern besonders beliebt. Fotos: Christine Vary

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Der Computer ist eine große Hilfe bei der Büchereiarbeit.

Paulinus - Wochenzeitung im Bistum Trier, Nummer 2007/44

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