Kath. öffentl. Bücherei Marienkrankenhaus Wickede-Wimbern
Wie wir zur EDV kamen ...
Die Vorgeschichte:
Seit 1977 machte ich Buchrecherchen über den Stoffkreiskatalog, der 1999 abgeschafft wurde. Stattdessen wurden Interessenkreis-Aufkleber eingeführt und "hochgejubelt", die aber längst nicht so differenziert sind, wie der viel gescholtene Stoffkreis-Katalog.
Dadurch fiel für mich ein wichtiges Instrument bibliothekarischer Arbeit weg. Entsprechend sauer reagierte ich mit einer zweiseitigen Eingabe. Mir wurde klar, auch wenn ich schon über 60 bin, kann ich mich nicht am Computer vorbeimogeln.
Zur gleichen Zeit wurde 1999 auf Fortbildungen noch vor EDV in unseren Büchereien gewarnt wegen der enormen Kosten für Anschaffung und Unterhalt der Hardware und der zusätzlichen Arbeit, die mit der Eingabe der Medien in den Computer anfiel. Von der kirchlichen Büchereifachstelle war deshalb keine Hilfe zu erwarten. Also entschied ich im Alleingang. Wie ich viel später erfuhr, war unsere Bücherei die erste katholisch öffentliche Bücherei im Bistum Paderborn, die mit EDV arbeitete.
Zusammen mit einem computererfahrenen Bekannten wurden Computer und Drucker gekauft. Später kam noch ein Flachbettscanner dazu. Die finanziellen Mittel kamen aus Bücher-Flohmarkt und Verkauf selbst gebastelter Fensterbilder - auf Jahre gespart. Der Bekannte zeigte auch, wie man mit einem Computer umgeht, zunächst als bessere Schreibmaschine.
Wie wir in unserer Bücherei zu BVS kamen:
Während eines Herbstkurses beim Borromäusverein in Bonn 1998 oder 1999 war eines der Themen "Bücherei und EDV". Dabei wurde Bibliothekssoftware verschiedener Hersteller vorgestellt und zugleich auch vor Illusionen gewarnt. Wieder waren es Empfehlungen eines Bekannten aus Freiburg, dass die Entscheidung zugunsten von BVS fiel.
Es dauerte noch bis Anfang Februar 2000, bis jemand vom Medienzentrum Paderborn kam, BVS richtig installierte und mich in die Titelaufnahme einführte. Dann begann die Fleißarbeit: tagsüber in jeder freien Minute, manchmal abends und am Wochenende Bücher von einem Regalbrett zum andern auf einen Wagen packen, zum Computer fahren und die Titel eingeben. Durch diese Arbeit lernte man auch die einzelnen Funktionen von BVS besser kennen. Ein enormer Lerneffekt für einen "Computeranalphabeten". Bis Ende Mai waren 3500 Titel erfasst. Gute Schreibmaschinenkenntnisse und die Unterstützung durch Fremddatenpools in BVS waren dabei eine große Hilfe. Wenn es Schwierigkeiten gab, holte ich mir telefonisch bei einer Bekannten in Essen Rat.
Nachdem auch die Leserdaten erfasst waren, begann die Ausleihe für "auswärtige" Leser, das sind NICHT-Patienten, über Computer. Für die Patienten war zunächst noch die Handverbuchung mit Kartentaschen üblich. HEUTE gibt es für die Stationsausleihe postkartengroße Vordrucke, auf denen die Leserdaten und Mediennummern erfasst und später in der Bücherei in den Computer eingegeben werden. Meistens 8 - 10 Leser/innen im ganzen Haus (189 Betten). Gehfähige Patienten kommen direkt zur Bücherei wegen des größeren Angebotes - und das sind mittlerweile über 4000 Medien. Die Bücherei ist von Montag - Freitag täglich von 16.00-17.00 Uhr geöffnet.
2001 war das Geld für einen Handscanner da. Noch einmal dasselbe: Bücher Regalbrett für Regalbrett an die Theke karren, Barcodes - von einem Bekannten zum Selbstkostenpreis erstellt - aufkleben, Folie darüber kleben, einscannen und wieder zurück ins Regal.
Doch die Arbeit hat sich gelohnt:
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Die Verbuchung geht viel schneller und genauer.
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Die Recherchemöglichkeiten sind unendlich.
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Die Einarbeitung neuer Medien wird durch Fremddatenpools unterstützt.
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Es braucht kein Zugangsbuch mehr geschrieben werden.
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Lästiges Einsortieren von Zettelkarten in den alphabetischen und Systematikkatalog entfällt.
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Die Rückenschilder sind im Nu fertig. Dafür gibt es von den Fachstellen eine Maske, in die man die Angaben eintippt und dann ausdruckt.
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Die Statistikdaten sind jederzeit abrufbar - wertvoll auch für die Jahresstatistik.
Heute sage ich: Gut, dass 1999 der Stoffkreiskatalog abgeschafft wurde, sonst hätte ich mich nie mit dem Computer abgegeben. Es war eine große Herausforderung, oft schweißtreibend und angstbesetzt. Aber viele Menschen standen mit Rat und Tat zur Seite und gehören heute zu meinen "Computer-Freunden": hier vor Ort, in Bilfingen, Freiburg, Hamburg und Essen. Es macht Spaß zu einer so tollen "BVS-Gemeinde" zu gehören.
Als Tüpfelchen auf dem I erhielt die Bücherei im letzten Jahr einen Internetanschluss. Außer Recherchen nach Büchern zu bestimmten Themen auch für die Bestellung von Vereinsgaben und für den Austausch mit BVS-Anwendern und den Entwicklern im Gesprächsforum von IBTC hilfreich. Durch eigene Anfragen im Forum lernte ich das IBTC-Team kennen und schätzen. Erstaunlich, wie super- schnell und engagiert IBTC auf Anfragen im Forum reagiert. Wenn ich auch meist mit dem "Computer-chinesisch" als Späteinsteiger nicht viel anfangen kann, so gibt es meine Computerfreunde", die morgens um 6.00 Uhr schon im Forum nachschauen, mir eine Schritt-für-Schritt-Anleitung basteln und per Email schicken. Und anschließend gelingt dann alles perfekt. Ein tolles Erfolgserlebnis.
Aus eigenen Erfahrungen möchte ich allen älteren Büchereimitarbeitern/innen Mut machen. Wir Älteren sind nicht dümmer als die Jungen. Aber da wir nicht "mit dem Computer zur Welt kamen", brauchen wir halt etwas länger. Diese Geduld beim Lernen sollten wir uns selbst zugestehen..
Sr. Maria Irma Doetsch, KöB Marienkrankenhaus Wickede-Wimbern

